Ratgeber
Ratgeber · Produktion

Rillen, Stanzen, Perforieren.

Ob ein Karton sich sauber aufrichten lässt, maßhaltig bleibt und beim Öffnen nicht ausfranst, entscheidet sich nicht am Papier, sondern an der Verarbeitung. Drei Techniken prägen jeden Zuschnitt – und jede hat ihre eigenen Regeln.

Rillen: das kontrollierte Gelenk

Beim Rillen presst ein Rillmesser die Wellpappe in eine Gegenrille. Die Welle wird lokal gestaucht, die Decklagen bleiben intakt. Das Ergebnis ist eine definierte Faltachse. Entscheidend ist die richtige Rillbreite – sie muss zur Materialdicke passen.

QualitätDickeTypische Rillbreite
E-Welle1,5 mmca. 1,5 mm
B-Welle3 mmca. 3 mm
C-Welle4 mmca. 4 mm
BC-Welle (2-wellig)7 mmca. 6–8 mm

Rillen sollten möglichst quer zu den Wellenkanälen verlaufen – warum, steht im Beitrag Laufrichtung der Welle. Und weil jede Rille Material staucht, wirkt sie sich auch auf die Maßhaltigkeit aus: Deshalb gilt die Unterscheidung von Innen- und Außenmaß.

Stanzen: Konturen in einem Hub

Beim Stanzen arbeitet ein Werkzeug aus Schneid- und Rilllinien, die in eine Holzform eingelassen sind. In einem Arbeitsgang entstehen Außenkontur, Rillen, Grifflöcher, Laschen und Steckschlitze. Zwei Verfahren dominieren:

Flachbettstanze

Höchste Genauigkeit, auch bei dicken zweiwelligen Qualitäten. Langsamer, ideal für komplexe Konturen und kleinere bis mittlere Auflagen.

Rotationsstanze

Zylindrisches Werkzeug, sehr hohe Geschwindigkeit. Toleranzen etwas größer, dafür wirtschaftlich bei großen Auflagen.

Für Prototypen und Kleinstmengen wird häufig plottergeschnitten – ohne Werkzeugkosten, dafür langsamer pro Stück. Einen Überblick über Standardformen liefern die FEFCO-Codes.

Perforieren: Öffnen ohne Werkzeug

Eine Perforation wechselt Schnitte und Stege ab. Das Verhältnis steuert die Aufreißkraft: Lange Schnitte mit kurzen Stegen öffnen leicht, kurze Schnitte mit langen Stegen halten mehr aus. Typische Anwendungen:

Typische Fehler