BCT & ECT: Karton-Stabilität verstehen.
Auf Datenblättern von Wellpappe stehen zwei Kennwerte, die über die Belastbarkeit entscheiden: ECT und BCT. Der eine beschreibt das Material, der andere den fertigen Karton. Wer beide versteht, kann Qualitäten vergleichen, Stapelhöhen berechnen – und aufhören, Stabilität nach Gefühl zu bestellen.
ECT: Die Kantenstauchfestigkeit
Der Edge Crush Test (DIN EN ISO 3037) presst ein kleines, hochkant stehendes Wellpappe-Stück zusammen, bis die Welle kollabiert. Gemessen wird die Kraft pro Breite in kN/m. ECT sagt damit, wie gut das Material Druck in Wellenrichtung aufnimmt – also genau die Belastung, die beim Stapeln auftritt. Der Wert hängt vor allem von der Papierqualität (Kraftliner oder Testliner), vom Flächengewicht und von der Wellenart ab.
BCT: Die Stauchfestigkeit des Kartons
Der Box Compression Test (DIN EN ISO 12048) belastet den fertigen, verschlossenen Karton von oben, bis er nachgibt. Das Ergebnis wird in Newton oder Kilogramm angegeben und ist der praxisnächste Wert: Er berücksichtigt Format, Rillen, Klebenaht und Deckelkonstruktion. Ein quadratischer Karton hält bei gleichem Material mehr aus als ein langer, flacher – weil die Last über vier gleichmäßig belastete Ecken geht.
Die McKee-Formel
BCT = 5,87 × ECT × √(Dicke × Umfang)
ECT in kN/m, Dicke der Wellpappe und Umfang des Kartons in mm, Ergebnis in Newton.
Beispiel: Karton 400 × 300 × 300 mm aus BC-Welle (Dicke 7 mm, ECT 9 kN/m). Umfang = 2 × (400 + 300) = 1400 mm. √(7 × 1400) = √9800 ≈ 99. BCT = 5,87 × 9 × 99 ≈ 5.230 N ≈ 533 kg im Labor.
Typische Werte je Qualität
| Qualität | Dicke | ECT (kN/m) | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| E-Welle (1-wellig) | 1,5 mm | 3–4 | Produktverpackung, leichte Ware |
| B-Welle (1-wellig) | 3 mm | 4–6 | E-Commerce bis ca. 10 kg |
| C-Welle (1-wellig) | 4 mm | 5–7 | Voluminöse, leichte Güter |
| BC-Welle (2-wellig) | 7 mm | 7–12 | Schwere Sendungen, Palettierung |
| AC/BB (2-wellig schwer) | 8–9 mm | 12–18 | Industrie, Exportkisten |
Vom Laborwert zur Praxis: Sicherheitsfaktoren
Der BCT wird bei 23 °C und 50 % relativer Luftfeuchte in wenigen Sekunden ermittelt. Im Alltag wirken dagegen Dauerlast, Feuchte und Handling. Die real nutzbare Traglast liegt deshalb deutlich niedriger:
| Belastung | Faktor | Nutzlast bei BCT 500 kg |
|---|---|---|
| Kurzer Transport, trocken | 3 | ca. 165 kg |
| Lagerung bis 3 Monate | 5 | ca. 100 kg |
| Lagerung > 6 Monate / feucht | 8 | ca. 62 kg |
Wie sich Luftfeuchte konkret auswirkt, steht im Ratgeber Kartons lagern. Für Palettenstapel gelten zusätzlich die Regeln aus Palettenversand-Kartons.
So bestimmen Sie die nötige Qualität
- Gewicht pro Karton und geplante Lagenzahl im Stapel festhalten.
- Last auf der untersten Lage berechnen: Gewicht × (Lagen − 1).
- Sicherheitsfaktor je nach Lagerdauer und Klima wählen (3–8).
- Erforderlichen BCT ermitteln: Last × Faktor.
- Über die McKee-Formel den passenden ECT-Wert zurückrechnen.
- Wellenart und Papierqualität danach auswählen – im Zweifel eine Stufe höher.
Rechenbeispiel: 12 kg pro Karton, 8 Lagen, Lagerung 4 Monate. Last = 12 × 7 = 84 kg. Mit Faktor 5 ergibt sich ein Ziel-BCT von 420 kg (≈ 4.120 N) – das erreicht eine BC-Welle mit ECT 8 kN/m bei mittlerem Kartonformat komfortabel.
Was BCT und ECT nicht abdecken
- Durchstoßfestigkeit: Wird separat geprüft und ist beim Handling wichtiger als Stapeldruck.
- Fallprüfung: Stöße an Kanten und Ecken bildet der BCT nicht ab.
- Vibration: Lange Lkw-Fahrten ermüden Wellpappe zusätzlich.
- Ausschnitte und Grifflöcher: Jede Perforation in einer Seitenwand senkt den realen BCT deutlich.
