Kartons lagern: Stapeln, Luftfeuchte & Haltbarkeit.
Ein Karton verliert seine Stabilität nicht erst auf dem Transportweg – oft passiert das schon im Lager. Feuchte Luft, zu hohe Stapel und direkte Sonneneinstrahlung kosten Stauchfestigkeit, noch bevor der erste Artikel eingepackt ist. Dieser Ratgeber zeigt, welche Bedingungen Wellpappe braucht und wie lange Kartons tatsächlich halten.
Warum Lagerbedingungen die Stabilität bestimmen
Wellpappe besteht aus Papier – und Papier ist hygroskopisch: Es nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft auf und gibt sie wieder ab. Mit dem Feuchtegehalt sinkt die Steifigkeit der Liner und damit die Stauchfestigkeit des gesamten Kartons. Faustregel aus der Praxis:
| Relative Luftfeuchte | Restliche Stauchfestigkeit | Bewertung |
|---|---|---|
| 40–55 % | 100 % | Optimal |
| 60–70 % | ca. 80 % | Akzeptabel |
| 75–85 % | ca. 50–60 % | Kritisch |
| über 90 % | unter 40 % | Nicht lagerfähig |
Wie stark sich das auswirkt, hängt auch von der Wellenart und der Papierqualität ab: Kraftliner verträgt Feuchte deutlich besser als Testliner aus Altpapier.
Ideale Lagerbedingungen
- Temperatur: 15–25 °C, ohne starke Schwankungen. Kalte Außenwände führen zu Kondensat.
- Luftfeuchte: 50–60 % relativ – das entspricht dem Klima, in dem Wellpappe produziert und geprüft wird.
- Abstand zum Boden: Kartons nie direkt auf Beton stellen. Palette oder Regalboden verhindert aufsteigende Feuchte.
- Abstand zur Wand: Mindestens 10 cm, damit Luft zirkulieren kann.
- Licht: Kein direktes Sonnenlicht – UV bleicht Druckfarben aus und versprödet die Deckenlage.
- Sauberkeit: Getrennt von Lebensmitteln, Chemikalien und stark riechenden Stoffen; Wellpappe nimmt Gerüche an.
Wie hoch darf man stapeln?
Die Belastung im Lager ist eine Dauerlast – und die ist kritischer als eine kurze Transportbelastung. Ein Karton, der im Labor 400 kg aushält, trägt im Dauereinsatz über Monate nur einen Bruchteil davon. Deshalb wird der Stapeldruck mit einem Sicherheitsfaktor gerechnet.
| Situation | Übliche Höhe | Sicherheitsfaktor |
|---|---|---|
| Flache Zuschnitte (Bündel) | bis 1,20 m | – |
| Palette, kurze Lagerung | 1,50–1,80 m | 3–4 |
| Palette, Lagerung > 3 Monate | 1,20–1,50 m | 5–8 |
| Regallagerung (getragen) | bis 2,20 m | 1–2 |
Wichtig ist außerdem das Stapelschema: Säulenstapelung überträgt die Last über die Kartonecken und hält deutlich mehr aus als versetzter Verbund. Details dazu im Ratgeber Palettenversand-Kartons.
Haltbarkeit: Wie lange hält ein Karton?
Wellpappe hat kein Verfallsdatum. Unter trockenen, dunklen Bedingungen ist ein Karton nach mehreren Jahren noch verwendbar. In der Praxis empfiehlt sich trotzdem ein Umschlag innerhalb von 12 bis 24 Monaten, denn drei Dinge altern messbar:
- Stauchfestigkeit: sinkt mit jedem Feuchtezyklus, weil die Wellenstruktur nachgibt.
- Klebenähte: Stärke- und Heißleim werden spröde, Nähte können bei Belastung aufreißen.
- Optik: Druckfarben verblassen, unbedruckte Flächen vergilben leicht.
Lagerbestände sollten deshalb nach dem FIFO-Prinzip (First In, First Out) abgebaut werden – ältere Chargen zuerst.
Die häufigsten Lagerfehler
- Kartons im unbeheizten Außenlager oder Container – Kondenswasser bei jedem Temperaturwechsel.
- Direkt auf dem Betonboden abgestellt – Feuchte zieht von unten in die untersten Lagen.
- Zu hoch gestapelt, ohne Dauerlast einzurechnen – die unterste Lage drückt sich ein.
- Überstand auf der Palette – die Kanten tragen nicht mehr, der Stapel sackt.
- Offene Folie oder gar keine Abdeckung – Staub und Tropfwasser von oben.
- Keine Chargentrennung – alte Bestände bleiben jahrelang ganz hinten liegen.
Feuchte Kartons retten?
Leicht klammer Karton kann sich bei 50–60 % Raumluftfeuchte weitgehend erholen, wenn er nicht belastet war. Sichtbar gewellte Deckenlagen, aufgeweichte Kanten oder gelöste Klebenähte sind dagegen irreversibel – die Wellenstruktur ist kollabiert. Solche Kartons gehören nicht in den Versand, sondern in die Altpapierverwertung.
