Recyclingfähigkeit von Wellpappe ab 2030 – PPWR-Klassen A, B, C erklärt.
Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) führt eine einheitliche Bewertung der Recyclingfähigkeit ein: Klasse A, B oder C. Was steckt hinter der Bewertung, welche Konstruktionsdetails entscheiden – und was bedeutet das konkret für Ihre Wellpappe-Kartons?
Die drei Klassen im Überblick
| Klasse | Recyclingfähigkeit | Status ab 2030 | Status ab 2038 |
|---|---|---|---|
| A | ≥ 95 % | Zulässig | Zulässig |
| B | 80–95 % | Zulässig | Zulässig |
| C | 70–80 % | Zulässig | Verboten |
| unter C | < 70 % | Verboten | Verboten |
Klassifizierung nach delegiertem Rechtsakt der EU-Kommission (in Konkretisierung bis 2027).
Wie wird die Klasse bewertet?
Bewertet wird die tatsächlich verwertbare Fasermenge in der etablierten Recyclingroute. Vereinfacht: Wie viel Prozent des Karton-Gewichts landen nach Repulping als sauberer, verwendbarer Faserstoff im Kreislauf? Störstoffe, die als Reject aussortiert werden, senken den Wert.
- Faseranteil: Reine Wellpappe erreicht >95 % Ausbeute.
- Störstoffe: Klebstoffe, Beschichtungen, Nicht-Faser-Elemente (Fenster, Bänder, Etiketten) reduzieren die Ausbeute.
- Farben & Barrieren: Wasserlöslich und dispergierbar = kein Malus; kunststoffbasiert = Malus.
- Größe und Dicke: Sehr kleine Teile (< A6) fallen teils durch die Siebe der Sortieranlage.
Konstruktionseinflüsse im Detail
Klasse A – der Idealfall
Unbeschichteter FEFCO-Karton aus Kraft- oder Testliner, wasserbasierter Flexo-Druck ≤ 50 % Deckung, Papierklebeband oder Selbstklebeverschluss. Kein Kunststoff, kein Fenster, kein Silikonpapier.
Klasse B – tolerierbar
Wellpappe mit kleinen dispergierbaren Barrieren (z. B. AKD-Nassfestmittel), geringen Anteilen wasserlöslicher Heißschmelzkleber oder PP-Klebeband < 5 % der Fläche.
Klasse C – auf Abruf
Größere Kunststoff-Fenster, kaschierte Kartons mit dünner PE-Schicht, stark bedruckte Flächen mit UV-Farbe. Ab 2038 nicht mehr zulässig – jetzt schon umkonstruieren.
Unter Klasse C – ab 2030 verboten
Alu-Kaschierungen, PE-beschichtete Deckenpapiere, PFAS-Barrieren, dauerhaft verklebte Kunststoffeinleger. Diese Konstruktionen sind ab 2030 nicht mehr verkehrsfähig.
Checkliste für Klasse A
- Sortenrein bleiben: Wellpappe aus Kraft- oder Testliner, keine Verbundmaterialien.
- Farben reduzieren: Flächige UV-Farbe vermeiden, wasserbasiertes Flexo bevorzugen (siehe Druckverfahren).
- Klebeband ersetzen: Papierklebeband oder Selbstklebeverschluss (FEFCO 0427/0470) statt PP-Tape.
- Fenster weglassen: Sichtfenster nur, wenn sie dispergierbar (Papier-Pergamin) oder trennbar sind.
- Etiketten klein halten: Ideal < ½ DIN A4, wasserlöslicher Kleber.
- Rezyklat-Faser deklarieren: Testliner-Anteile bringen zusätzlich CO₂-Vorteile.
Was jetzt zu tun ist
- Bestandsartikel screenen: Jede aktive SKU auf mögliche Malus-Faktoren prüfen.
- Passform verbessern: Ein Karton nach Maß erfüllt zugleich die 50 %-Leerraum-Regel der PPWR.
- Lieferanten fragen: Datenblätter mit Faser-, Farb- und Klebstoffangaben einholen.
- Roadmap für 2038: Alle Klasse-C-Konstruktionen sollten bis spätestens 2036 umgestellt sein.
Recyclinggerechte Konstruktionen
Unbeschichtete Wellpappe mit wasserbasiertem Druck und ohne Kunststoff kann die Recyclingfähigkeit verbessern. Die konkrete Einstufung hängt von den jeweils geltenden Kriterien ab.
